Verein Bahn zum Berg

Lücken schließen. Foto: Patareda, Pixabay

Steter Tropfen höhlt
den Stein?

Ein Bus fährt nicht von allein. Ein Bus fährt nur, wenn ihn jemand beauftragt. Ein Bus fährt nur, wenn ihn jemand bezahlt. Aber wie soll ein Bus fahren, wenn keiner zahlen will – und keiner zahlen kann? Wie lassen sich Lücken im öffentlichen Nahverkehr schließen, wenn weder öffentliche Mittel noch privates Engagement ausreichen, um ein dauerhaftes Angebot zu finanzieren?

Genau mit dieser Herausforderung sieht sich das Projekt Lücken schließen konfrontiert. Es hat sich zum Ziel gesetzt, bestehende Versorgungslücken im öffentlichen Nahverkehr zu identifizieren und – wo möglich – zu überbrücken. Besonders dort, wo fehlende Verbindungen die Anreise in die Berge erheblich erschweren oder ganz verhindern. Wie beispielsweise im steirischen Almenland rund um die Teichalm.

Ein ambitioniertes Vorhaben, denn einfache Lösungen gibt es selten. Wir haben in den letzten Monaten viel recherchiert und herausgefunden, dass in der Vergangenheit bereits ein Mobilitätskonzept für die Region Naturpark Almenland erarbeitet wurde. Die Busse, die an den Wochenenden in den Sommerferien fahren, sind anscheinend aus diesem Projekt hervorgegangen. Die Gemeinden sind für die Bestellung der Busse zuständig und müssen einen Teil der Finanzierung stemmen. Ohne diese Teilfinanzierung gibt es keine Busse. Eine schwierige Aufgabe für kleine Gemeinden.

Aber gibt es dort überhaupt Bedarf für so einen Bus?

Wir haben uns dafür eine Webcam auf der Teichalm angeschaut, die unter anderem auch den Parkplatz zeigt. Wir haben dafür alle Wochenenden und Ferientage im vergangenen Jahr analysiert. Dabei ist herausgestochen, dass der Parkplatz jedes Wochenende bei Schönwetter gut belegt ist. Das heißt, die Teichalm ist durchaus ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen, Spaziergänge und vieles mehr in der Umgebung. Auch im Winter ist dort beim Rodeln, Skifahren und Skitouren gehen viel los. Bis jetzt ist die Teichalm aber öffentlich nur schwer zu erreichen. Der Bus, der in den Sommerferien fährt, deckt leider nicht die ganze Wandersaison ab und ist auch nicht ausreichend bekannt. In Gesprächen mit verschiedenen Akteuren in der Region zeigt sich, dass prinzipiell Interesse an einer verbesserten öffentlichen Anbindung besteht, diese aber schwierig umzusetzen ist.

Wir hatten auch mit Vertretern der Landespolitik und Regionalentwicklung interessante Gespräche. Aufgrund der komplizierten Situation vor Ort sind wir momentan dabei, von relevanten Akteuren Statements einzuholen. So wollen wir eine gute Grundlage schaffen, um eventuell später intensiver in der Region arbeiten zu können, ohne vorschnelle Erwartungen zu wecken oder Konflikte zu provozieren.

War jetzt alles umsonst?

Und was nützt das Ganze, wenn sich in der Region doch nichts bewegt? Eine gute Frage, aber die Antwort ist ganz simpel: Steter Tropfen höhlt den Stein! Und das Projekt dient ja auch dazu, Erfahrungen zu sammeln, um diese für die Zukunft festzuhalten, damit unsere Fehler nicht wiederholt werden müssen. All das, was wir gelernt haben, wird in einem Handbuch zusammengefasst, sodass andere Personen, Vereine und Institutionen sich vielleicht ein Stückchen leichter tun, als wir.

Das Handbuch will und kann kein Allheilmittel sein. Aber es kann helfen, den oft unübersichtlichen Weg von der Idee bis zur Projektumsetzung etwas zu erleichtern. Dabei wird auch nicht vermittelt, welche Schritte es konkret zum Organisieren und Finanzieren einer Buslinie oder ähnlichem braucht. Stattdessen soll gezeigt werden, wie man die Akteure mit Entscheidungsmacht von der Idee überzeugen kann und diese zum Handeln anregt. Das Handbuch führt durch die verschiedenen Projektphasen und erklärt, welche Fragen gestellt werden müssen und wie sie beantwortet werden können. Es hilft beim Einstieg, spart Zeit bei der Recherche und zeigt, wo es sinnvoll ist, mit lokalen Akteuren, Gemeinden oder Verkehrsverbünden ins Gespräch zu gehen. Was das Handbuch nicht tut: Es ersetzt keine professionelle Verkehrsplanung. Was es aber kann: Menschen in Bewegung bringen – in ihrem Dorf, ihrer Region, ihrem Verein.

Die Idee des Handbuches ist es, den Weg einfacher zu machen und viele solcher Projekte zu ermöglichen. Und ganz platt ausgedrückt: viele Tropfen zu schaffen, die den Stein dann schließlich aushöhlen.

Dich interessiert das Thema? Wir freuen uns über jede helfende Hand. Schreibe einfach eine E-Mail an

Wie kannst du helfen?

  • Kennst du Personen in der Region, die in Gemeinden, Gasthäusern, Tourismus, Verkehrsbetrieben etc. arbeiten?
  • Du kennst dich mit Verkehrsprojekten, Mobilität, Förderungen etc. aus?
  • Wenn du dich noch mehr in das Projekt einbringen möchtest, nimm gerne Kontakt auf, dann finden wir gemeinsam einen Bereich, der passt.

Du möchtest einfach nur mehr darüber erfahren? Wir werden immer wieder von unseren Projektfortschritten berichten und was gerade bei uns ansteht. Bleib also gespannt.