Bergwetter
In der Stadt ist Regen lästig, im Gebirge kann er tödlich sein. Vor jeder Bergtour sollte man deshalb mit den zu erwartenden Wetterbedingungen vertraut und darauf eingestellt sein. Theoretisches Wissen allein ist aber nicht ausreichend: Vor Ort muss man Anzeichen von Wetterumschwüngen frühzeitig erkennen, um gefährlichen Situationen aus dem Weg zu gehen. Aber aus welcher Wolke regnet es und wo finde ich vertrauenswürdige Wettervorhersagen?
Eine einfache Antwort auf diese Fragen gibt es leider nicht: Das Einschätzen von Wetter in den Bergen erfordert einiges an Geschick und Übung. Ich hoffe, meine Erfahrungen und Lehren aus der Realität und dem Meteorologie-Studium können dir weiterhelfen.
Kurzfassung: Zur Tourenplanung empfehle ich das Alpenvereinswetter; meine Lieblings-Wetter-App ist meteoblue; schnell aufsteigende Wolken sind ein Warnzeichen für Gewitter.
Vor der Tour: Wettervorhersage richtig lesen
Es gibt unzählige Wetter-Apps, fast jeder und jede hat erfahrungsbasiert einen Favoriten, die eine, beste App gibt es aber nicht.
Zwischen den einzelnen Anbietern gibt es manchmal gewaltige Abweichungen. Das liegt daran, dass unterschiedliche Anbieter auf verschiedene Datengrundlagen und Modelle zurückgreifen. In Wetter-Apps werden oft stündliche Vorhersagen angeboten, solch eine Genauigkeit führt aber vor allem in den Bergen häufig zu Fehlern.
Ein Beispiel: Eine Wetter-App zeigt um 13:00 Uhr Sonne, um 14:00 Uhr Gewitter und um 15:00 Uhr wieder Sonne. So eine Wetterlage ist möglich, der genaue Startzeitpunkt und Ort von Wärmegewittern kann aber nicht vorhergesagt werden. Um diesem Problem entgegenzuwirken werden Prozentzahlen angegeben. Diese müssen korrekt interpretiert werden: 70% Regenwahrscheinlichkeit bedeutet, dass 70 von 100 Modellläufen eines Wettermodells zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort Niederschlag prognostizieren, sagt aber nichts über dessen Stärke, Dauer oder Ausbreitung aus.
Info: Ein Wettermodell berechnet die Wettervorhersage nicht nur einmal mit den Startbedingungen, sondern für verschiedene Szenarien mit leicht abgeänderten Bedingungen und Parametern. Dadurch können Unsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten dargestellt werden. Zum Beispiel setzt sich die Ensemblevorhersage des Europäischen Wetterdienstes (ECMWF) aus 51 Modellläufen zusammen.
Geschriebener Wetterbericht
Ich empfehle gerne von MeteorologInnen geschriebene Wettervorhersagen. Die Interpretation der Modelle wird von Profis übernommen und in Worte verpackt. Man bekommt keine genauen Zeitpunkte und Ortsangaben, sondern Phrasen wie: „Im Laufe des Nachmittags vermehrt Gewitter in den Ötztaler Alpen.“ Damit ist klar, dass man seine Tour zu Mittag beenden bzw. verstärkt auf Warnzeichen achten sollte, aber auch, dass eine genauere Vorhersage nicht möglich ist.
Geschriebene Wettervorhersagen findet man z.B. auf der Startseite der Geosphere Austria (im Dropdown-Menü kann das Bundesland ausgewählt werden). Meine Empfehlung für die Planung von Bergtouren ist die Bergwetter-Seite des Alpenvereins. Auf dieser findet man eine Übersicht über die Großwetterlage, eine allgemeine Prognose für West- und Ostalpen und regionsspezifische Vorhersagen für die nächsten 2 Tage inklusive Trend.
Praktisch für unterwegs: Der Alpenverein veröffentlicht seinen Wetterbericht auch in einer vereinfachten Textversion. Den Link am Besten offline speichern, dann können wichtige Infos auch bei schlechtem Empfang auf Hütten oder in den Bergen abgerufen werden. (Danke an unseren Tourenreporter Bernhard Walle für den Tipp!)
Meine Lieblings-Wetter-App
Im Alltag oder als Ergänzung bei der Tourenplanung verwende ich die Wetter-App „meteoblue„. Die Vorhersage basiert auf Daten von eigenen Wettermodellen und Modellen anderer namhafter Wetterdienste (ECMWF, NOAA, DWD, Meteo-France, …). Zusätzlich gibt es ein schön visualisiertes Meteogramm, mit welchem man unter anderem die prognostizierte Wolkenhöhe erkennt und ein Wetter-Radar inklusive 2h-Prognose. Die Treffsicherheit (in der App ein Balken, im Web Zielscheiben) gibt grobe Auskunft über die Unsicherheit in der Vorhersage, wenn man sich tiefer mit der Thematik auseinandersetzen will, erkennt man im MultiModel die Unterschiede der einzelnen Modelle.
Schneehöhe
Auch Kenntnis über die Schneehöhe ist ein essenzieller Baustein für ein erfolgreiches Bergabenteuer. Von der GeoSphere Austria gibt es hierfür ein hochauflösendes Schneedeckenmodell, das sogenannte INCA Snowgrid. Auskunft zur Schneehöhe geben zusätzlich Messwerte der Lawis-Stationen und Webcam-Bilder.
Schneedeckenmodelle und weitere Informationen für die Schweiz findet man beim Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF.
Während der Tour: Gewitter-Warnzeichen erkennen
Während einer Bergtour können Warnzeichen auftreten, die Niederschlag ankündigen. Niederschlag entsteht auf verschiedene Arten. Ein Studienkollege von mir hat diese im DWD-Blog erklärt. Der Fokus in diesem Beitrag liegt bei (Wärme-)Gewittern, da sie am Berg die größte Bedrohung darstellen und schwer vorherzusagen sind.
Wie ensteht ein Gewitter?
Quellwolken entstehen, wenn feuchte Luft gehoben wird, auskühlt und der Wasserdampf zu Wassertröpfchen und Eiskristallen kondensiert. Wenn die Temperatur in der Wolke höher ist als die der Umgebung, können die Wassertröpfchen und Eiskristalle weiter aufsteigen und ein Gewitter entsteht. Starke Gewitter erreichen in unseren Breitengraden eine Wolkenhöhe von bis zu 12 Kilometern. Werden die Tröpfchen und Eiskristalle zu schwer, fallen sie als Niederschlag zu Boden. Durch die Reibung innerhalb der Wolke kommt es zu einer Spannungsdifferenz, welche sich in weiterer Folge als Blitz und Donner entlädt.


Wie erkennt man ein Gewitter früh genug?
Um Gewitter früh genug zu erkennen ist es wichtig, den Wetterbericht im Kopf zu haben und die Entwicklung der Wolken aufmerksam zu beobachten. Wenn aus heiterem Himmel Wolken entstehen, kann das ein erstes Anzeichen sein, wenn diese in weiterer Folge schnell nach oben steigen ist das ein klares Warnsignal. Auch aufgetürmte Gewitterwolken mit Amboss in der Ferne können ein Warnzeichen sein.
Was tun, wenn man doch in ein Gewitter kommt?
Wenn eine dunkle Wolke auf einen zukommt, ein böiger Wind einsetzt, und man die ersten Donner vernimmt, sollte man schnellstmöglich Schutz suchen. Das heißt:
- von Graten oder Gipfelkreuzen absteigen,
- von Stahlseilen fernhalten,
- wenn möglich Unterschlupf suchen,
- in Kauerstellung am Rucksack das Gewitter abwarten.
Wichtig ist jedenfalls, sich nicht zusätzlich zu gefährden! Bewegt man sich in kritischem Gelände, sollte man stets gesichert bleiben und im Notfall an Ort und Stelle ausharren.
Nach der Tour: Aus Wettersituationen lernen
Das frühzeitige Erkennen und Deuten von Wettersituationen lernt man nicht von heute auf morgen. Es erfordert einiges an Erfahrung, Übung und Wissen. Wenn du bis hierher gelesen hast, geht dein Interesse zum Thema Wetter aber vermutlich über den täglichen Blick auf eine App hinaus und du willst dich mehr damit beschäftigen. Deshalb mein Tipp: Speichere dir vor der Tour den Wetterbericht, mach während der Tour Fotos vom Himmel und schau sie dir nachher in Ruhe an. Wie haben sich die Wolken verändert, hat die Veränderung zu Niederschlag geführt und passt das mit der Wettervorhersage zusammen?
Ich hoffe, meine Erfahrungen und Tipps waren hilfreich und vielleicht konnte ich ja auch Interesse wecken. Wetter ist mehr als ein täglicher Bericht!
Hast du noch Fragen oder eigene Erfahrungen? Teile sie gerne in den Kommentaren oder schreib mir unter !

