Salzkammergut auf einsamen Pfaden

Christoph Schmidsberger, „Salzkammergut auf einsamen Pfaden – 35 Wander- und Bergtouren für Ruhesucher“, 2. Auflage, 2021 Kral Verlag.

Gleich vorweg: Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube für Salzkammergut-Touren auf stillen Wegen. Wer die Gegend zwischen Almtal, Wolfgangsee und Grundlsee abseits der Standard-Touren erkunden will, wer dabei die Ruhe schätzt, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Es enthält etliche wirklich sehr lohnende Wanderungen und Bergtouren, die sonst kaum dokumentiert sind. Es ist sorgfältig recherchiert und liest sich sehr gut. 

Für diese äußerst interessante Erweiterung des Tourenspektrums sollte man etwas Orientierungssinn mitbringen oder zumindest die Bereitschaft, sich mit dem Thema Wegfindung ein wenig genauer auseinanderzusetzen – denn stille Pfade sind oft anders und, wenngleich nur auf den ersten Blick, weniger offensichtlich bezeichnet als vielbegangene Routen. Es gibt allerdings auch einige Touren in dem Buch, bei denen die Orientierung sehr einfach ist – ideal zum Einsteigen in diese Art von Routen. Apropos Wegfindung: Sehr positiv zu bewerten ist die getrennte Schwierigkeitsbewertung für technische Schwierigkeiten einerseits und für Orientierung andererseits.

Für jede Tour gibt es Angaben zur Anreise mit den Öffis im Info-Block. Eine Tour lässt sich sogar nur mit Öffis durchführen, denn sie beginnt mit einer Anreise per Wassertaxi ans Traunsee-Ostufer. Der Autor weist darauf hin, dass manch eine Tour mit Bahn- und Bus-Anreise nicht leicht durchführbar ist. Das liegt primär an den Lücken, die das ÖV-Netz nach wie vor aufweist, wiewohl man sagen muss, dass die Öffis im Salzkammergut überdurchschnittlich gut ausgebaut sind. Die eine oder andere Tour lässt sich bei einer Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln noch ein wenig optimieren. So ist es zum Beispiel besser, von der Bushaltestelle St. Wolfgang Schwarzenbach direkt Richtung Käferwandl aufzusteigen und nicht mit einem Umweg über den Parkplatz Holzerbauer – und der Abstieg erfolgt wohl besser direkt nach St. Wolfgang. Übrigens: Bei einigen bahnnahen Touren kann die „letzte Meile“ vom Bahnhof zum Touren-Ausgangspunkt auch mit einem Fahrrad sehr gut überbrückt werden. Zumal es auf der Salzkammergutbahn und der Almtalbahn ganz einfach und ohne Reservierung möglich ist, ein Fahrrad mitzunehmen. 

Für eine Neuauflage würde ich mir folgendes wünschen:

  • Ein Update der Öffi-Infos. Hier hat es seit dem Redaktionsschluss v.a. im Bedarfsverkehr, aber auch bei den Haltestellen der regulären Linien einige Neuerungen bzw. Änderungen gegeben. Sehr hilfreich wäre eine Differenzierung zwischen öffentlich gut machbaren Touren und solchen, die mit Bahn- und Bus-Anreise nur bedingt empfohlen werden können – idealerweise mit zwei unterschiedlichen Farben beim Öffi-Symbol.
  • Sehr fein wären ein paar Touren im Salzburger Teil des Salzkammergutes, dazu einige Bergwanderungen auf der Nordseite des Dachsteingebirges, wo es etliche wunderschöne einsame Pfade gibt. Oder ginge sich da vielleicht sogar ein zweites Buch aus?
  • Die eine oder andere Tour auf einen 2000-er in der Region würde das Tourenspektrum perfekt Richtung Hochgebirge abrunden.
  • Angaben zur Kindertauglichkeit der Touren wären für Familien sehr hilfreich.
  • Und last but not least: Bitte mehr Streckenwanderungen und Überschreitungen! Denn wo steht geschrieben, dass eine Tour (fast) immer zum Ausgangspunkt zurückführen muss?

Fazit: Ein sehr gutes Buch, das eine Lücke in der alpinen Führerliteratur schließt und somit einen echten Mehrwert bietet! 

Steyrerhütte. Foto Kral Verlag
Steyrerhütte. Foto Kral Verlag

Peter Backé

Peter Backé, geb. 1960, verbringt seit seiner Kindheit einen großen Teil seiner Freizeit in den Bergen. Besonders oft ist er in den Wiener Hausbergen unterwegs, sehr gerne aber auch in den Südalpen. Er ist Autor der Bücher „Mit Bahn und Bus zum Berg - Österreich: Die 75 schönsten Wandertouren“ (Freytag & Berndt), „Mit Bahn und Bus in die Wiener Hausberge“ (Rother Bergverlag) und „Bike&Hike Oberösterreich Steiermark“ (Kral Verlag) sowie zahlreicher Artikel in Alpin-Zeitschriften. Sein Auto hat er 2004 verkauft und fährt seither überwiegend mit den Öffis in die Berge.