Österreich mit dem KlimaTicket entdecken

Sarah Pallaufs Rezension aus „Bahn zum Berg“ Sicht: „Österreich mit dem KlimaTicket entdecken“ von Reinhard Mandl.

Wenn glückliche KlimaTicket-Besitzer:innen wie ich durch eine Buchhandlung spazieren, bleibt ihr Blick zwangsläufig an diesem Buch hängen: „Österreich mit dem KlimaTicket entdecken“ von Reinhard Mandl. Das Hardcover ist nämlich im Design des KlimaTickets gestaltet – ein cleverer Schachzug. Ich zumindest habe mich durch die mir bereits vertrauten Farben und Illustrationen sofort angesprochen gefühlt.

Autor Reinhard Mandl aus Amstetten ist ein erfahrener (Weit-)Wanderer. Sein letztes Buch beschäftigt sich mit dem „Jakobsweg Weinviertel“, für das aktuelle Werk ist er vom reinen Wandern auf die Kombi Öffi-Wandern umgestiegen.

Sein Anspruch für das Buch war es, circa einen Ausflug pro Woche mit dem Zug in insgesamt alle neun österreichischen Bundesländer zu unternehmen. Entstanden ist ein großzügig bebildertes, Hardcover-Buch mit 176 Seiten und 20 authentischen Reiseberichten von seinen Öffi-Touren. Mandl betont, dass er keinen Reiseführer für Österreich schreiben wollte, auch hat sein Buch nicht zum Ziel, „alle“ bedeutenden Sehenswürdigkeiten zu beschreiben. Was möchte er dann? Ganz einfach, er möchte andere zu Öffi-Touren und -ausflügen inspirieren.

Ein „Normalo“ mit dem KlimaTicket unterwegs

Das gefällt mir schon im Vorwort besonders gut: Der Autor gibt offen zu, in den letzten Jahren eigentlich kaum mit der Bahn gefahren zu sein. Er ist also keiner der Zugfreaks, die jede Woche irgendwo Loks fotografieren und denen keine Zuganreise zu einer Wanderung zu lange sein kann. Nein, Mandl ist keiner, der sowieso schon viel mit der Bahn unterwegs war und seit dem KlimaTicket nur noch mehr. Er ist einer der Menschen, die tatsächlich durch das KlimaTicket auf den Zug umgestiegen sind. Die Mobilitätswende lässt grüßen! 

Ich freue mich in jedem Fall über seine Offenheit: Er reist nur bei Sonnenschein und nie bei Regen. Manche Bundesländer kommen im Buch aus diesem Grund auch wetterbedingt zu kurz. Er gibt zu, fast immer werktags unterwegs gewesen zu sein. Mandl beschönigt hier also nichts, sondern beschreibt offen und ehrlich seine Ausgangssituation. Ich stelle mir vor, dass sein Buch dadurch für die Mehrheitsmenschen tatsächlich zugänglicher ist, weil man sich leichter mit dem Autor identifiziert. Bodenständig, offen und eben kein Freak. Sondern ein „Normalo“, der durch das KlimaTicket auf den Geschmack von Ausflügen mit dem Zug gekommen ist. Das macht Mut und könnte tatsächlich auch zugunerfahrene und -scheue Menschen zu Ausflügen mit der Bahn bewegen. Dieser Ansatz gefällt mir sehr gut!

Jeder Tourenbericht ist eine mehrseitige Erzählung über die Fahrt, das Ankommen am Ziel und die Stadt. Der Autor beschreibt gerne historisch interessante Plätze und flicht Anekdoten in seine Erzählungen ein. Manchmal wird es mir ein wenig zu detailreich, wenn ich – mehrmals – lesen muss, dass er sich noch ein Weckerl am Bahnsteig gekauft hat oder sich im Zug mit „sportliche gekleideten Mitreisende“ über besonders spannende Ausflugsziele unterhalten hat.

Am Ende der zwanzig Berichte skizziert Mandl in Kürze seinen Fahrplan und – schöner Gaming-Effekt! – führt die CO2-Emissionsersparnis gegenüber der Fahrt im eigenen PKW an. Zudem fügt er jeder Tour einen persönlichen Tipp an: Kombinationen von verschiedenen Wanderwegen, Bier-Lehrpfade oder Ideen zum besten Wochentag für diesen Ausflug.

Wermutstropfen: Landeshauptstädte und Wien-fokussiert

Schade finde ich hier, dass ausnahmslos alle Touren in Wien starten und auch der Fahrplan nur ab Wien angeführt ist. Für alle Leser:innen außerhalb Wiens stelle ich es mir etwas frustrierend vor, dass auf sie so gar nicht eingegangen wird. Zumal der Titel des Buches ja allgemein gehalten ist und nicht suggeriert, dass hier nur Ausflüge ab Wien beschrieben werden.

Auch ein wenig ernüchternd finde ich die Auswahl der zwanzig Ausflugsziele – sieben davon sind die Landeshauptstädte bzw. Wien. Das ist jetzt nicht gar so arg spannend. Auch einige andere sind nicht unbedingt Geheimtipps – Bad Aussee, die Wachau oder die Donauschlinge finden sich in quasi jedem Österreich-Reiseführer.

Begeisterung: Einmal schnell zum Großglockner

Positiv überraschen mich die letzten der zwanzig Reiseberichte im Buch: Von Bad Dürrenberg bei Hallein habe ich noch nie im Leben gehört, im Schilcherland scheint es laut Reinhard Mandl auch sehr nett zu sein und so weit nach Westen wie er – bis nach Vent im Öztal – bin ich mit meinem KlimaTicket selbst noch nie vorgedrungen. Diese Reiseziele sind also auf jeden Fall nette Inspirationen für hochmotivierte Frühaufsteher:innen oder Wochenend-Trips.

Die Auswahl der Orte folgt also einer Dramatik und gipfelt im Reisebericht Nummer 20: Heiligenblut am Großglockner. Für diesen letzten Bahnausflug hat sich Mandl drei Tage Zeit genommen, und dafür am Rückweg noch „gschwind“ Kärntens Landeshauptstadt Klagenfurt „mitgenommen“. Das ist schon eine beeindruckende Route und beeindruckend viele Stunden im Zug. Und, so denke ich mir, das machen halt auch echt nur KlimaTicket-Menschen. So wie Autor Reinhard Mandl nun eben auch einer geworden ist.

Blick ins Buch. Foto Sarah Pallauf
Blick ins Buch. Foto Sarah Pallauf

Ein Buch für die Mehrheit?

Apropos KlimaTicket und Zugfreaks: Ich halte das Buch für recht mehrheitstauglich. Man muss keine Erfahrungen mit Öffi-Wanderungen haben und auch kein:e Weitwanderer:in sein. Reinhard Mandl beschreibt Ausflüge, lobt besonders schöne Streckenabschnitte, begegnet unterwegs netten Menschen, streift durch Österreichs hübsche Städte und unternimmt auch einmal die eine oder andere Wanderung. Dieses Buch ist damit auch kein Wanderführer, sondern schon eher ein kleiner Bildband mit recht mehrheitstauglichen Ausflugstipps.

Sass Mandl all diese mit dem Zug erreicht, ist ein schönes Zeichen und im besten Fall auch eine feine Inspiration, ganz im „Bahn-zum-Berg“-Gedanken: „Wir zeigen auf, was mit den Öffis schon möglich ist.“

Wiederum nicht ganz mehrheitstauglich ist die Tatsache, dass die Touren, die der Autor an den jeweiligen Orten unternommen hat, weder als GPX-Track noch als Karte im Buch sichtbar sind. Um sie nachzugehen, müsste man also immer seiner Beschreibung folgen und im Fließtext nachlesen und das ist wohl nicht besonders praktisch. Insofern wird das Buch wohl nur eine Inspirationsquelle bleiben, indem Menschen die Texte lesen, an dieselben Orte fahren und dort ihre eigenen Wege erkunden. Kaum jemand wird mit dem Buch in der Hand (Hardcover und A4!) durch Bad Aussee laufen, um genau denselben Weg wie Mandl zu gehen. Für Menschen, die aber gerne ansprechende Touren nachgehen, und seien es „nur“ Stadtspaziergänge, wäre ein kleiner Stadtplan mit Karte oder doch eben ein GPX-Track ein nettes Add-On gewesen.

Auch erfahrene Wanderer:innen, die bereits viel herumgekommen sind oder leidenschaftliche Zugfans, die gerne neue Streckenabschnitte kennengelernt hätten, werden bei diesem Buch eher nicht auf ihre Kosten kommen. Dafür aber kann es ein gutes Geschenk und eine Inspirationsquelle für Menschen sein, die Österreich neu kennenlernen wollen oder vielleicht neu nach Österreich gezogen sind. Die vielleicht gerade wie Reinhard Mandl ihr erstes KlimaTicket erworben haben. Die geschichtlich interessiert sind und gerne in ausführlichen Ausflugsberichten mit vielen Fotos schmökern. Diese Menschen werden Freude mit „ÖSTERREICH mit dem KlimaTicket entdecken“ haben.

Fazit

Insofern mein Fazit: Eine nette Inspirationsquelle für Menschen, die Österreich noch nicht gut kennen oder noch wenige Ausflüge mit der Bahn unternommen haben. Sie können bestimmt leicht an die Berichte von Reinhard Mandl anknüpfen, der Österreich ja selbst gerade erst mit dem KlimaTicket neu entdeckt. Man möchte es ihm gleichtun.

Und natürlich freuen wir uns besonders über die Empfehlung im Buch, Zuugle und „Bahn zum Berg“ zu nutzen, um noch mehr Entdeckungen zu machen.

Artgerecht im Bus :-) Foto Sarah Pallauf
Artgerecht im Bus 🙂 Foto Sarah Pallauf

Sarah Pallauf

Sarah hat ihre Leidenschaft zum Wandern in Jordanien entdeckt. Dort lebte sie 2018, schloss sich einer Wandergruppe an und fand es großartig, auf diese Weise das Land und seine Menschen kennenzulernen. Zurück in Österreich gründete sie 2020 die Wandergruppe „dunya – Begegnung in Bewegung“. Die Idee dabei ist, mit „neuen und alten Wiener:innen“ wandern zu gehen und dabei Menschen zusammenzubringen, die sich sonst vielleicht nie kennengelernt hätten. Um die Gruppe noch besser begleiten zu können, absolviert Sarah derzeit auch die Ausbildung zur zertifizierten Wanderführerin.