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Verein Bahn zum Berg

Rolltreppe Westbahnhof

Warum wir den Klimawandel
nicht aufhalten können werden

Ich wollte zuerst einen anderen Titel wählen. „Warum wir wegen ein paar A***löchern alle sterben werden“ hätte ich passend gefunden. Aber weil ich ein angepasster, älterer weißer Mann bin, verhalte ich mich lieber systemkonform und habe den Klimawandel-Titel genommen.

Ich bin aber außerdem auch noch jemand, der sich schnell und gerne aufregt. Am liebsten über die Anderen, die was falsch machen. Auch damit füge ich mich in Österreich wunderbar in das System ein und falle nicht auf.

In Wien ist es bekanntermaßen sehr beliebt, Menschen, die auf der Rolltreppe links stehen, zu erklären, dass sie sich bitte systemkonform auf die rechte Seite der Rolltreppe bewegen sollen. Nur mit anderen Worten. In Wien und in gewissen Teilen Österreichs besagt die soziale Norm also, dass man „links geht und rechts steht“. Weil sich das so schön reimt, stimmt es auch.

Im Jahr 2017 wurde in einer Londoner U-Bahn-Station ein entsprechender Versuch durchgeführt. Die Frage war: Welche Auswirkung hat es, wenn alle auf der Rolltreppe gleichmäßig verteilt stehen?

Um die folgenden Informationen richtig einordnen zu können, hilft es das zu wissen:

  • Wenn man auf der Rolltreppe steht, lässt man typischerweise eine Stufe zur Person davor frei. Es passen mehr Menschen auf die Rolltreppe.
  • Wenn man geht, lässt man zwei oder drei Stufen Sicherheitsabstand. Es passen weniger Menschen auf die Rolltreppe.
  • Etwa 75% der Menschen wollen auf der Rolltreppe stehen (aus welchem Grund auch immer), 25% wollen gehen.

Der optimale Effekt wird erzielt, wenn alle auf der Rolltreppe stehen.

  • Beförderte Anzahl Menschen im Versuch pro Minute, wenn alle stehen: 151
  • Beförderte Anzahl Menschen im Versuch pro Minute, wenn links gehen, rechts stehen gilt: 115

Jeder von uns weiß aus eigener Beobachtung, dass es auf der rechten Seite eine große Traube Menschen gibt, die sich anstellen, um auf der rechten Seite stehend die Rolltreppe hinaufzufahren. Die auf der linken Seite gehenden Menschen sind viel schneller oben.

Das bedeutet aber auch, dass 75% der Menschen, nämlich jene, die stehen wollen und die deutliche Mehrheit darstellen, langsamer hinauf kommen, als es ihnen möglich wäre. Gäbe es niemand, der gehen möchte, würde auch die linke Seite besser aufgefüllt und 75% der Rolltreppenbenützer wären schneller oben, als mit dem System „links gehen, rechts stehen“.

Die 25% die links hinauf gehen sind klarerweise schneller oben. Sie sind auch etwas schneller oben, als wenn alle stehen (wenn auch nur leicht). Diese Minderheit kann ihre Geschwindigkeit überhaupt nur erreichen, indem sich die Mehrheit auf der rechten Seite zusammendrängt. Die Minderheit spart/konsumiert also jene Zeit, die die Mehrheit durch das Anstellen in der Traube vor der rechten Rolltreppenseite aus ihrer eigenen Zeit investiert.

75% wären schneller, wenn sich 25% geringfügig einschränken würden

Durch die dauernde einseitige Belastung, ist der Verschleiß der Rolltreppe auch höher. Wären die 25% rücksichtsvoller, wären die Wartungskosten für 100% der Rolltreppenbenutzer geringer (nachdem das praktisch alles aus Steuergeld finanziert wird).

Die Realität ist aber, dass sich die soziale Norm etabliert hat, dass 75% rücksichtsvoll sind und einen persönlichen Nachteil in Kauf nehmen, damit 25% einen persönlichen Vorteil haben. Diese 25% sind sich dessen nicht einmal bewusst (die 75% übrigens auch nicht), sondern glauben auch noch, dass es ihnen zustünde, links vorbei zu gehen. Dementsprechend handeln sie auch so.

Diese 25% sind es auch, für die es undenkbar ist, einen kleinen persönlichen Nachteil, zum Wohle aller in Kauf zu nehmen, wenn es um andere Themen geht. Zum Beispiel Umweltschutz und Klimawandel.

Was mich zurück zum Anfang führt: Wir werden wegen ein paar A***löchern sterben.